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Rechtsfragen - Terraristik

Die meisten Terrarientiere können frei gehandelt werden, aber einige gehören zu den geschützten Arten, die durch nationales und internationales Recht geschützt werden. Das international geltende Washingtoner Artenschutzabkommen (WA) auch CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) genannt unterteilt bedrohte Tierarten in 3 Kategorien. Die EU-Artenschutzverordnung, die seit 1997 gültig ist, ist quasi die europäische Auslegung des WA, enthält aber zusätzlich auch Arten, die nicht über das WA geschützt sind. Außerdem werden einige Arten wie die europäischen Landschildkröten Testudo hermanni, T. graeca und T. marginata in der EU Artenschutzverordnung strenger geschützt als im WA.

Anhang I (WA) bzw. Anhang A (EU):
Hier sind die Tierarten enthalten, die massiv durch Lebensraumzerstörung oder niedrige Populationsdichten bedroht sind. Eine Ein- bzw. Ausfuhr ist nur unter besonderen Bestimmungen zulässig, wobei ein gewerbliches Handeln nur mit Nachzuchten möglich ist. Alle WA I Arten finden sich auch im EU Anhang A. Hinzu kommen wie oben erwähnt u.a. die europäischen Landschildkröten, die nur im WA Anhang II geschützt sind. Für den Terrarianer ergibt sich aus der Einstufung in Anhang A die Konsequenz, dass er für die Tiere eine EU Bescheinigung quasi als eindeutigen Pass für jedes Tier benötigt. Damit die Tiere eindeutig identifiziert werden können, ist eine Fotodokumentation die der Bescheinigung angesiegelt wird bzw. eine Chip Implantation nötig.
Für die Terraristik relevant sind neben den europäischen Testudo vor allem die Madagaskar Boas der Gattungen Sanzinia und Acranthophis (WA I).
Aber auch außerhalb der Terraristik haben EU-Artenschutzverordnung und WA Relevanz: selbst für den Besitz von Körperteilen wie z. B. die an der Mecklenburgischen Seenplatte aufgehobene Seeadlerfeder (auch WA I) benötigt man theoretisch eine Genehmigung.

Anhang II (WA) bzw. Anhang B (EU):
Arten dieser Anhänge werden zwar als bedroht eingestuft aber ein Handel auch von Wildfängen ist möglich. Für den Import ist eine Ausfuhrgenehmigung des Ursprungslandes sowie eine Einfuhrgenehmigung erforderlich. Prominente Vertreter dieser Gruppe sind alle Riesenschlangen und echten Chamäleons (wenn nicht Anhang A) sowie Taggeckos der Gattung Phelsuma. Auch im Anhang B finden sich Arten die nicht international im WA geschützt sind. Hier ist vor allem die Rotwangenschildkröte und die Zierschildkröten Chrysemys picta zu erwähnen. Hintergrund ist hierbei den Import dieser Arten zu unterbinden, da diese Schildkröten als Faunenverfälscher angesehen werden. Da für den Import eine Einfuhrgenehmigung benötigt wird (die nicht erteilt wird), sind diese Tiere praktisch aus dem Handel verschwunden und nur noch vereinzelt als EU Nachzuchten erhältlich. Der Halter von Anhang II / B Tieren muss den legalen Ursprung seiner Tiere nachweisen können.

Anhang III (WA) bzw. Anhang C (EU):
Arten aus dieser Einstufung sind noch nicht akut gefährdet, stehen aber unter Überwachung. D.h. für den Import ist eine Ausfuhrgenehmigung des Ursprungslands erforderlich und es ist eine Einfuhrmeldung abzugeben, damit Daten über den Umfang des Handels vorhanden sind. Nach erfolgtem Import können diese Tiere frei gehandelt werden wie jedes ungeschütztes Tier. Für den normalen Terrarianer ergibt sich also aus dieser Einstufung praktisch keine Relevanz. Anhang C Arten sind z.B. die Chinesische Dreikielschildkröte oder die Zackenerdschildkröte.

Anhang III (WA) bzw. Anhang C (EU):
Arten aus dieser Einstufung sind noch nicht akut gefährdet, stehen aber unter Überwachung. D.h. für den Import ist eine Ausfuhrgenehmigung des Ursprungslands erforderlich und es ist eine Einfuhrmeldung abzugeben, damit Daten über den Umfang des Handels vorhanden sind. Nach erfolgtem Import können diese Tiere frei gehandelt werden wie jedes ungeschütztes Tier. Für den normalen Terrarianer ergibt sich also aus dieser Einstufung praktisch keine Relevanz. Anhang C Arten sind z.B. die Chinesische Dreikielschildkröte oder die Zackenerdschildkröte.

Anhang D (EU):
Innerhalb der EU gibt es eine zusätzlich Einstufung mit dem Anhang D, der eine Überwachung der Importe von einigen ausgewählten Arten ermöglichen soll, die nicht über das WA geschützt sind. Wie für Anhang C Arten ist eine Einfuhrmeldung als Kontrollfunktion erforderlich. Ausfuhrgenehmigungen sind mangels internationalem Schutz in der Regel nicht erforderlich. Für den Terrarianer ist der Anhang D damit quasi ohne Konsequenz.

Bundesartenschutzverordnung (BArtSch) und FFH Richtlinie (EU weit):
BArtSch und FFH enthalten einige Arten die weder über WA noch die EU Artenschutzverordnung geschützt sind. So werden alle in Deutschland vorkommenden Reptilien- und Amphibienarten zumindest hierüber geschützt. Für den Terrarianer ergeben sich daraus praktisch die gleichen Konsequenzen wie aus Anhang B; er muss den legalen Ursprung der Tiere nachweisen. Ein besonderer Vertreter der BArtSch ist die Rotbauchunke Bombina orientalis. Da die Tiere nicht in Deutschland vorkommen, sind Tiere jeglichen Ursprungs legal. Es besteht trotzdem eine Buchführungspflicht für den Legalitätsnachweis aber die Meldepflicht entfällt. Mehr Infos siehe unten.

Nationaler Schutz (International):
Natürlich können wie bei uns mit BArtSch auch andere Staaten eigenen Naturschutzgesetze erlassen und damit die lokale Flora und Fauna schützen. Wer sich also eine Andenken aus dem Urlaub mitbringen will, sollte entsprechend neben WA, EU und Bartsch auch die lokalen Gesetze prüfen. So erlaubt z.B. Australien generell nicht die Ausfuhr aller heimischen Reptilien. In anderen Ländern wie z.B. Indonesien oder vielen afrikanischen Ländern gibt es Quoten und Ausfuhrgenehmigungen auch für nicht international geschützte Tiere. Diese haben nur für die Ausfuhr aus den jeweiligen Ländern Relevanz, in Deutschland können die Tiere normal gehandelt werden.

Der Naturschutzaspekt:
Es ist wichtig zu erwähnen, dass besonders dass WA Abkommen darauf abzielt, den Handel mit Tiere zu unterstützen und nicht zu unterbinden. Es ist als Schutzabkommen sondern als Handelsabkommen (wie auch aus der Übersetzung der Abkürzung CITES zu entnehmen) zu verstehen. Hintergrund ist, dass ein effektiver Artenschutz nicht möglich ist, wenn nicht auch ein finanzieller Anreiz besteht. Gerade in Entwicklungsländern ist es den Menschen nicht zu erklären, dass die Tiere nicht mehr gegessen werden dürfen, wenn keine Devisen ins Land kommen. Das geschieht z.B. über Nationalparks die Touristen anziehen aber auch über dem Heimtierhandel. CITES reglementiert den Handel mit bedrohten Tieren und stellt gleichzeitig eine gewisse Wertschätzung in den Ursprungsländern her. Aus Artenschutzgründen spricht entsprechend nichts gegen den Handel mit geschützten Arten, er dient letztendlich auch dem Erhalt der Spezies.

Buchführungs- und Meldepflicht:
Für Arten des Anhang A und B sowie der Bartsch besteht eine Buchführungs- und Meldepflicht. Der Halter muss die legale Herkunft der Tiere nachweisen können und die Tiere bei der zuständigen Naturschutzbehörde anmelden (nach Bundesland verschieden, in der Regel Regierungspräsidium oder untere Naturschutzbehörde). Als Nachweis dienen Kaufbelege sowie bei Importen die Einfuhrgenehmigungsnummern. Bei Nachzuchten empfiehlt sich vom Verkäufer eine Erklärung auf dem Kaufbeleg zu fordern, dass die Tiere legal erworben/nachgezogen sind, mit dem Vermerk bei welcher Behörde das Tier gemeldet wurde. Bei Arten des Anhang A ist zusätzlich die EU Bescheinigung notwendig. Bei einem Fotoanhang ist außerdem zu beachten, dass dieser mit zunehmendem Alter der Tiere entsprechend ergänzt und von der Naturschutzbehörde beglaubigt werden muss. Unter Buchführungspflicht ist außerdem zu verstehen, dass Buch über alle erworbenen und verkauften artgeschützten Tiere geführt werden muss. Hierzu werden Tierart, Nachweis, Verkäufer mit entsprechenden Stückzahlen und Daten schriftlich festgehalten. Jedes Tier bekommt dabei in diesem Artenschutzbuch eine fortlaufende Nummer. Wird es veräußert, muss der neue Besitzer und das Ausgangsdatum festgehalten werden.

Zur Vereinfachung sind seit Februar diesen Jahres einige Arten von der Meldepflicht ausgenommen, eine Buchführung ist aber immer noch erforderlich:
Königspython Python regius
Boa Boa constrictor constrictor und Boa c. imperator
Madagaskar Taggecko Phelsuma madagascariensis
Goldstaubtaggecko Phelsuma laticauda
Grüner Leguan Iguana iguana
Rotwangenschildkröte Trachemys scripta elegans
Goldbaumsteiger Dendrobates auratus
Blauer Pfeilgiftfrosch Dendrobates azureus
Rotbauchunke Bombina orientalis
Axolotl Ambystoma mexicanum

Alle Infos zum Thema Artenschutz erhalten Sie online beim Bundesamt für Naturschutz (BfN, www.bfn.de) oder – bei der DGHT (www.dght.de, Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde) Eine Datenbank für die Recherche des Schutzstatus ist unter www.wisia.de zu finden.

Haltung von gefährlichen Arten
In einigen Bundesländern und Gemeinden gibt es Verordnungen, die die Haltung von gefährlichen Arten reglementieren und einschränken. Regelungen bestehen in Bayern, Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein, wobei sich die Inhalte (vor allem die Definition der Tiere die gefährlich sind) stark unterscheiden. Gerade in Bayern haben dann auch die Gemeinden unterschiedliche Auslegungen vor allem in Bezug auf Vogelspinnen. Als gefährliche Arten kommen vor allem Giftschlangen, Krokodilie, Riesenschlangen, Vogelspinnen und Skorpione in Frage. Im Zweifelsfall sollte man beim Ordnungsamt anfragen, ob die Haltung des potentiellen neuen Haustiers verboten oder genehmigungspflichtig ist.

Reptilien in der Mietwohnung
Bei Terrarientieren ist es mittlerweile vor Gericht anerkannte Praxis, dass von ihnen keine Störung zu erwarten ist und sie als »Kleintiere im Sinne des Gesetzes« gelten können. Wie Aquarienfische, Meerschweinchen, Kaninchen und andere Tiere, von denen keine »Geruchs- und Lärmbelästigung« ausgeht, dürfen die meisten Reptilien und Amphibien ohne Einwilligung des Vermieters in der Wohnung gehalten werden. Eine Ausnahme machen natürlich potentiell gefährliche Tiere, hier gibt es durchaus Gerichtsurteile, die die Haltung aufgrund von Klagen der Nachbarschaft untersagen. Hier empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit Vermieter und Nachbarn, um diese vorab von der sicheren Haltung und er Gefahreindämmung zu überzeugen. Auch in der Eigentumswohnung oder dem eigenen Haus kann ein Gericht übrigens die Haltung einschränken oder untersagen, wenn eine Gefährdung oder Belästigung der Nachbarn oder Öffentlichkeit gesehen wird.

Tierschutz
Terrarianer sollten bei der Haltung Ihrer Schützlinge den Tierschutzaspekt nie vergessen und für eine artgerechte Unterbringung sorgen. Mit der „Mindestanforderung für die Haltung von Reptilien“ (erhältlich z.B. bei der DGHT) gibt es eine Richtlinie, die bei Amtsveterinären Anwendungen findet und deren Angaben man einhalten sollte.



Alle in Deutschland vorkommenden Reptilien- und Amphibienarten sind geschützt. Eine Naturentnahme ist strafbar!